Unsere Redaktion wird durch Leser unterstützt. Wir verlinken u.a. auf ausgewählte Online-Shops und Partner, von denen wir ggf. eine Vergütung erhalten. Mehr erfahren.

Ein Dachdeckerstiefel Test dreht sich am Ende um eine einzige Frage: Steht der Stiefel auf geneigten Ziegeln, Schiefer oder Bitumenbahnen sicher, ohne dass du beim Auftreten nachdenken musst. Das unterscheidet einen Dachdeckerstiefel von jedem gewöhnlichen Sicherheitsschuh aus dem Baumarkt, auch wenn beide auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

Der Grund liegt in der Sohle. Während ein klassischer Arbeitsschuh auf grobem Profil setzt, um sich auf losem Untergrund festzukrallen, braucht ein Dachdeckerstiefel möglichst viel Kontaktfläche zur glatten Dachhaut. Diese und weitere Details, inklusive der Frage, wo die Sicherheitsklasse S3 für Dacharbeiten an ihre Grenzen kommt, stehen im Folgenden.

Dachdeckerstiefel Test: die besten Modelle im Vergleich

Wie ein Dachdeckerstiefel wirklich Halt gibt

Der klassische Dachdeckerstiefel trägt eine sogenannte Autoreifensohle, eine extrem flache, kaum profilierte Gummisohle, die ihren Namen dem Vorbild aus recyceltem Reifengummi verdankt. Sie funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Je größer die Fläche, die tatsächlich Kontakt zum Ziegel hat, desto besser die Reibung. Ein grob profilierter Schuh dagegen berührt die Dachfläche nur an den Stollenspitzen und rutscht auf glattem oder feuchtem Material leichter weg.

Grundlage für Sicherheitsschuhe ist die Norm EN ISO 20345. Sie unterscheidet unter anderem die Klassen S1 bis S3, wobei S3 zusätzlich zur Zehenschutzkappe einen durchtrittsicheren Unterbau und ein wasserabweisendes Obermaterial verlangt, geprüft unter anderem mit einem 4,5 Millimeter starken Testnagel. Die Rutschhemmung selbst wird inzwischen einheitlich mit dem Kürzel SR gekennzeichnet, das einen bestandenen Test auf Fliesenboden mit Glyzerin bescheinigt, die früheren Bezeichnungen SRA, SRB und SRC sind aus der Norm verschwunden.

Was die Sicherheitsklasse S3 auf dem Dach nicht leistet

Hier liegt ein Zielkonflikt, der in Verkaufstexten selten offen benannt wird: Die Norm EN ISO 20345 verlangt für die Klasse S3 eigentlich eine profilierte Sohle, weil Profile auf unebenem Industriegelände und Baustellenschutt für Halt sorgen. Genau dieses Profil ist auf einer geneigten Dachfläche aber eher ein Nachteil, weil es die Kontaktfläche zum Ziegel verkleinert. Deshalb tragen viele reinrassige Dachdeckerstiefel eine flache, kaum profilierte Sohle und sind entsprechend nicht als klassischer S3 Schuh im engeren Sinn ausgelegt, auch wenn Kappe und Durchtrittschutz den übrigen Anforderungen entsprechen. Wer also gezielt nach dem Aufdruck S3 sucht, kann dabei einen Stiefel übersehen, der auf dem Dach tatsächlich sicherer steht.

Zweiter Punkt: Eine gute Sohle ersetzt keine Absturzsicherung. Der Stiefel verhindert das Wegrutschen an sich, er fängt dich nicht auf, wenn du trotzdem den Halt verlierst oder über die Traufkante gerätst. Auf geneigten Dächern und in der Höhe bleibt eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz notwendig, unabhängig davon, wie gut die Sohle greift.

Dritter Punkt: Auch die beste Sohle verliert ihre Wirkung, wenn sie verschlissen, mit Öl verunreinigt oder bei Frost hart und spröde geworden ist. Rutschhemmung ist ein Materialzustand, kein dauerhaftes Merkmal des Schuhs, weshalb eine regelmäßige Sichtprüfung der Sohle Teil jeder Arbeitsvorbereitung sein sollte.

BauartMerkmalWas es kostet
Dachdeckerstiefel mit Autoreifensohleflache, kaum profilierte Sohle, maximale Kontaktfläche auf geneigtem Ziegeloft nur eingeschränkt oder gar nicht als S3 zertifiziert, weniger Grip auf losem Schutt
S3 Sicherheitsschuh mit Stahlkappedurchtrittsicher durch Stahleinlage, hohe Stoßfestigkeit an der Zehespürbar schwerer, Stahleinlage versteift die Sohle und mindert die Flexibilität
S3 Sicherheitsschuh mit textilem DurchtrittschutzKevlar oder vergleichbares Gewebe statt Stahl, deutlich leichteretwas geringere Widerstandsfähigkeit gegen sehr feine, spitze Gegenstände
Halbhoher Dachdeckerschuhknöchelfrei, mehr Bewegungsfreiheit beim Klettern auf der Leiterweniger Schutz für den Knöchel bei seitlichem Umknicken
Hoher Dachdeckerstiefelstützt den Knöchel, hält Splitt und Kies draußenhöheres Gewicht, längere Anziehzeit

Kaufkriterien mit Zahlen

  • Sohlenprofil und Kontaktfläche: Für Steildächer zählt eine flache, wenig profilierte Sohle mehr als ein aggressives Stollenprofil. Prüfe, ob der Hersteller den Schuh ausdrücklich für Dacharbeiten freigibt.
  • Durchtrittschutz: Stahl schützt zuverlässiger gegen sehr spitze Gegenstände, textiler Durchtrittschutz aus Kevlar oder vergleichbarem Material spart dagegen Gewicht und bleibt flexibler.
  • Gewicht des Schuhs: Leichte Modelle mit textilem Durchtrittschutz und Composite Kappe liegen oft mehrere hundert Gramm unter vergleichbaren Stahlkappen Modellen, über einen Arbeitstag ein spürbarer Unterschied.
  • Schafthöhe: Hohe Stiefel stützen den Knöchel und halten Splitt fern, halbhohe Schuhe bieten mehr Bewegungsfreiheit beim Auf und Absteigen der Leiter.
  • Rutschhemmung SR: Die aktuelle Kennzeichnung SR bescheinigt einen bestandenen Test auf glattem, mit Glyzerin benetztem Untergrund, ein sinnvoller Zusatzwert unabhängig von der Klasse S1 bis S3.

Einsatzprofile: welcher Stiefel zu welchem Dach passt

Steile Ziegel und Schieferdächer. Hier zählt die flache Sohle am meisten, weil die Neigung ohnehin schon wenig Reibungsfläche bietet. Wie steil ein Dach im Einzelfall tatsächlich ist, lässt sich mit einem Dachneigungsmessgerät vorab bestimmen, bevor du entscheidest, ob zusätzliche Absturzsicherung nötig wird.

Flachdach und Bitumenarbeiten. Auf ebenen Flächen ist die Rutschgefahr geringer, dafür steigt das Risiko von Durchstich durch liegen gelassenes Werkzeug oder Nägel, weshalb hier der Durchtrittschutz stärker zählt als das Sohlenprofil.

Arbeiten in der Höhe generell. Unabhängig vom Dachtyp gehört zu sicherem Arbeiten auf dem Dach immer auch die passende Absturzsicherung, mehr dazu im Vergleich zum Sicherheitsgeschirr beim Dachdecken. Für die Hände gilt Ähnliches wie für die Füße, Details dazu im Vergleich zum Dachdeckerschutzhandschuh.

Rechtlich fallen Sicherheitsschuhe unter die persönliche Schutzausrüstung, geregelt unter anderem im Produktsicherheitsgesetz. Die grundsätzliche Pflicht des Arbeitgebers, geeignete Schutzausrüstung bereitzustellen, ergibt sich aus dem Arbeitsschutzgesetz, konkrete Vorgaben zur Nutzung von Arbeitsmitteln in der Höhe liefert die Betriebssicherheitsverordnung.

Häufige Fragen

Was bedeutet Testsieger bei einem Dachdeckerstiefel?
Testsieger ist kein geschützter Begriff, und ein unabhängiges Labor, das Dachdeckerstiefel über Jahre auf echten Dächern vergleicht, gibt es kaum. Verlässlicher sind die genannten Normwerte zu Durchtrittschutz und Sohlenbauart. Genau darauf zielt dieser Dachdeckerstiefel Test als Kaufberatung.

Worauf achte ich, wenn ich Dachdeckerstiefel kaufen will?
Entscheide zuerst nach dem Dachtyp, auf dem du hauptsächlich arbeitest. Für Steildächer zählt die flache Sohle mehr als das Etikett S3, für Flachdächer und Baustellenwege ist ein klassischer, profilierter Sicherheitsschuh oft die bessere Wahl.

Wie oft muss ich die Sohle austauschen oder den Stiefel ersetzen?
Sobald das ohnehin flache Profil sichtbar glatt gelaufen ist oder das Gummi durch UV Einfluss spröde wird, sinkt die Rutschhemmung deutlich. Eine Sichtprüfung vor jedem Einsatz und ein Austausch bei erkennbarem Verschleiß sind sinnvoller als eine feste Zeitspanne.

Kann ich meine normalen Sicherheitsschuhe auch auf dem Dach tragen?
Technisch ja, empfehlenswert nicht immer. Ein grob profilierter Baustellenschuh bietet auf glattem, geneigtem Ziegel oder Schiefer weniger Kontaktfläche und damit weniger Halt als ein spezieller Dachdeckerstiefel.

Sind Dachdeckerstiefel wasserdicht?
Die meisten Modelle sind wasserabweisend imprägniert, vollständig wasserdicht wie ein Gummistiefel sind sie in der Regel nicht, weil das Obermaterial atmungsaktiv bleiben muss, um Schwitzen bei langen Arbeitstagen zu vermeiden.

Gibt es Dachdeckerstiefel mit Steigeisenaufnahme?
Für den regulären Einsatz auf Ziegel und Schiefer ist das unüblich, weil Steigeisen für das Klettern auf Baumstämme oder Masten entwickelt wurden und die glatte Dachhaut beschädigen würden. Für Dacharbeiten kommen stattdessen Dachleitern und Laufbohlen zum Einsatz.

Jutta ist Dachdeckerin mit Erfahrung und gibt Ratschläge zur Instandhaltung und Pflege von Dächern für ein sicheres und wetterbeständiges Zuhause.